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<?xml-stylesheet type="text/xsl" href="../../assets/xml/rss.xsl" media="all"?><rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>LaForge's home page (Posts about german)</title><link>https://laforge.gnumonks.org/</link><description></description><atom:link href="https://laforge.gnumonks.org/blog/tags/german.xml" rel="self" type="application/rss+xml"></atom:link><language>en</language><lastBuildDate>Thu, 24 Oct 2024 20:08:48 GMT</lastBuildDate><generator>Nikola (getnikola.com)</generator><docs>http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss</docs><item><title>Notfallwarnung im Mobilfunknetz + Cell Broadcast (Teil 2)</title><link>https://laforge.gnumonks.org/blog/20210720-smscb/</link><dc:creator>Harald Welte</dc:creator><description>&lt;p&gt;[excuse this German-language post, this is targeted at the current German public discourse]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein paar Ergänzungen zu meinem blog-post gestern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich benutzt den generischen Begriff PWS statt SMSCB, weil SMSCB strikt genommen nur im 2G-System
existiert, und nur ein Layer ist, der dort für Notfallalarmierung verwendet wird.&lt;/p&gt;
&lt;section id="zu-notfallwarn-apps"&gt;
&lt;h2&gt;Zu Notfallwarn-Apps&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Natürlich sind spezielle, nationale Deutsche Katastrophenschutz-Apps auch nützlich!  Aber diese sollten
allenfalls zusätzlich angeboten werden, nachdem man erstmal die grundlegende Alarmierung konform der
relevanten internationalen (und auch EU-)Standards via Cell Broadcast / PWS realisiert.  Man sagt ja auch
nicht: Nachrichtensendungen braucht man im Radio nicht mehr, weil man die bereits im Fernsehen hat.  Man will
auf allen verfügbaren Kanälen senden, und zunächst jene mit möglichst universeller Reichweite und klaren
technischen Vorteilen benutzen, bevor man dann zusätzlich auch auf anderen Kanälen alarmiert.&lt;/p&gt;
&lt;/section&gt;
&lt;section id="wie-sieht-pws-fur-mich-als-anwender-aus"&gt;
&lt;h2&gt;Wie sieht PWS für mich als Anwender aus&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Hier scheint es größere Missverständnisse zu geben, wie das auf dem Telefon letztlich aussieht.  Ist ja auch
verständlich, hierzulande sieht man das nie, ausser man ist zufällig in einem Labor/Basttel-Netz z.B. auf
einer CCC-Veranstaltung unterwegs, in der das Osmocom-Projekt mal solche Nachrichten versendet hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die PWS (ETWS, CMAS, WEA, KPAS, EU-ALERT, ...) nachrichten werden vom Telefon empfangen, und dann je nach
Konfiguration und Priorität behandelt.  Für die USA ist im WEA vorgeschrieben, dass Alarme einer bestimmten
Prioritatsklasse (z.B. der &lt;em&gt;Presidential Level Alert&lt;/em&gt;) &lt;strong&gt;immer zwangsweise zur Anzeige gebracht werden und
immer mit einem lauten sirenenartigen Alarmton einhergehen&lt;/strong&gt;.  Es ist sogar explizit verboten, dass der
Anwender diese Alarme irgendwo ausstellen, stumm schalten o.ä. kann.   Insofern spielt es keine Rolle,
ob das Telefon gerade Lautlos gestellt ist, oder es nicht gerade unmittelbar bei mir ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei manchen Geräten werden die Warnungen sogar mittels einer text2speech-Engine laut über den Lautsprecher
vorgelesen, nachdem der Alarmton erscheint.  Ob das eine regulatorische Anforderung eines der nationalen
System ist, weiss ich nicht - ich habe es jedenfalls bereits in manchen Fällen gesehen, als ich mittels
Osmocom-Software solche Alarme in privaten Labornetzen versandt habe.&lt;/p&gt;
&lt;/section&gt;
&lt;section id="noch-ein-paar-technische-details"&gt;
&lt;h2&gt;Noch ein paar technische Details&lt;/h2&gt;
&lt;ul class="simple"&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;PWS-Nachrichten werden &lt;strong&gt;auch dann noch ausgestrahlt, wenn die Zelle ihre Netzanbindung verloren hat&lt;/strong&gt;.  Wenn
also z.B. das Glasfaserkabel zum Kernnetz bereits weg ist, aber noch Strom da ist, werden bereits vorher vom
CBC (Cell Broadcast Centre) an die Mobilfunkzelle übermittelte Warnungen entsprechend ihrer
Gültigkeitsdauer weiter autonom von der Zelle ausgesendet  Das ist wieder ein inhärenter technischer
Vorteil, der niemals mit einer App erreichbar ist, weil diese erfordert dass das komplette Mobilfunknetz mit
allen internen Verbindungen und dem Kernnetz sowie die Internetverbindung vom Netzbetreiber zum Server des
App-Anbieters durchgehend funktioniert.&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;PWS-Nachrichten können zumindest technisch auch von Telefonen empfangen werden, die garnicht im Netz
eingebucht sind, oder die keine SIM eingelegt haben.  Ob dies in den Standards gefordert wird, und/oder
ob dies die jeweilige Telefonsoftware das so umsetzt, weiss ich nicht und müsste man prüfen.  Technisch
liegt es nahe, ähnlich wie das Absetzen von Notrufen, das ja auch technisch in diesen Fällen möglich ist.&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;/section&gt;
&lt;section id="zu-den-kosten"&gt;
&lt;h2&gt;Zu den Kosten&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn - wie in der idealen Welt -  das Vorhalten von Notfallalarmierung eine Vorgabe bereits zum Zeitpunkt der
Lizenzvergabe für Funkfrequenzen gewesen wäre, wäre das alles einfach ganz lautlos von Anfang an immer
unterstützt gewesen.  Keiner hätte extra Geld investieren müssen, weil diese minimale technische Vorgabe dann
ja bereits Teil der Ausschreibungen der Betreiber für den Einkauf ihres Equipments gewesen wäre.  Zudem hatten
wir ja bereits in der Vergangenheit Cell Brodacast in allen drei Deutschen Netzen, d.h. die Technik war mal
[aus ganz andern Gründen] vorhanden aber wurde irgendwann weggespart.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das jetzt nachträglich einzuführen heisst natürlich, dass es niemand eingeplant hat, und dass jeder beteiligte
am Markt sich das vergolden lassen will.  Die Hersteller freuen sich in etwa wie "Oh, Ihr wollt jetzt mehr als
ihr damals beim Einkauf spezifiziert habt? Schön, dann schreiben wir mal ein Angebot".&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Technisch ist das alles ein Klacks. Die komplette Entwicklung aller Bestandteile für PWS in 2G/3G/4G/5G würde
ich auf einen niedrigen einmaligen sechsstelligen Betrag schätzen.   Und das ist die einmalige Investition in
der Entwicklung, welche dann über alle Geräte/Länder/Netze umgebrochen wird.  Bei den Milliarden, die in
Entwicklung und Anschaffung von Mobilfunktechnik investiert wird, ist das ein Witz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geräte wie Basisstationen aller relevanten Hersteller unterstützen natürlich von Haus aus PWS.  Die bauen
für Deutschland ja nicht andere Geräte, als jene, die in UK, NL, RO, US, ... verbaut werden.  Der Markt ist
international, die gleiche Technik steht überall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil man jetzt zu spät ist, wird das natürlich von allen Seiten ausgenutzt.  Jeder Basisstationshersteller
wird die Hand aufhalten und sagen, das kostet jetzt pro Zelle X EUR im Jahr zusätzliche Lizenzgebühren.  Und
die Anbieter der zentralen Komponente CBC werden auch branchenüblich die Hand aufhalten, mit satten jährlichen
Lizenzgebühren.  Und die Consultants werden auch alle die Hand aufhalten, weil es  gibt wieder etwas zu
Integrieren, zu testen, ...  Das CBC ist keine komplexe Technik.  Wenn man das einmalig als Open Source
entwickeln lässt, und in allen Netzen einsetzt, bekommt man es quasi zum Nulltarif.  Aber das würde ja
Voraussetzen, dass man sich wirklich mit der Technik befasst, versteht um welch simple Software es hier geht,
und  dass man mal andere Wege in der Beschaffung geht, als nur mal eben bei seinen existierenden 3
Lieferanten anzurufen, die sich dann eine goldene Nase verdienen wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der öffentlichen Diskussion wird von 20-40 Millionen EUR gesprochen.  Das sind überzogene Forderungen der
Marktteilnehmer, nichts sonst.  Aber selbst wenn man der Meinung ist, dass man lieber das Geld zum Fenster
hinauswerfen will, statt Open Source Alternativen zu [ver]suchen, dann ist auch diese Größenordnung etwas,
dass im Vergleich zu den sonstigen Anschaffungs- und Betriebskosten eines Mobilfunknetzes verschwindend gering
ist.  Ganz zu schweigen von den Folgekosten im Bereich Bergung/Rettung, Personenschäden, etc. die sich dadurch
mittelfristig bei Katastrophen einsparen lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oder anders betrachtet: Wenn sogar das wirtschaftlich viel schwächere Rumänien sich sowas leisten kann, dann
wird es wohl auch die Bundesrepublik Deutschland stemmen können.&lt;/p&gt;
&lt;/section&gt;</description><category>cellular</category><category>german</category><category>gsm</category><category>osmocom</category><guid>https://laforge.gnumonks.org/blog/20210720-smscb/</guid><pubDate>Mon, 19 Jul 2021 16:00:00 GMT</pubDate></item><item><title>Notfallwarnung im Mobilfunknetz + Cell Broadcast</title><link>https://laforge.gnumonks.org/blog/20210719-smscb/</link><dc:creator>Harald Welte</dc:creator><description>&lt;p&gt;[excuse this German-language post, this is targeted at the current German public discourse]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In mehrerern Gegenden Deutschlands gab es verheerende Hochwasser, und die Öffentlichkeit diskutiert deshalb
mal wieder die gute alte Frage nach dem adäquaten Mittel der Alarmierung der Bevölkerung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist einfach nur ein gigantisches Trauerspiel, wie sehr die Deutsche Politik und Verwaltung in diesem Punkt
inzwischen seit Jahrzehnten sämtliche relevanten Standards verpennt, und dann immer wieder öffentlich durch
fachlich falsche und völlig uninformierte Aussagen auffällt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Thema wurde vor dem aktuellen Hochwasser bereits letztes Jahr im
Rahmen des sog. WarnTag öffentlich diskutiert.  Auch hier von Seiten der
öffentlichen Hand ausschliesslich mit falschen Aussagen, wie z.B. dass
es bei Cell Broadcast Datenschutzprobleme gibt.  Dabei ist Cell
Broadcast die einzige Technologie, wo &lt;em&gt;keine&lt;/em&gt; Rückmeldung des einzelnen
Netzteilnehmers erfolgt, und das Netz nichtmal weiss, wer die Nachricht
empfangen hat, und wo dieser Empfang stattgefunden hat.  Ganz wie beim
UKW-Radio.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fakt ist, dass alle digitalen Mobilfunkstandards seit GSM/2G, d.h. seit
1991 die Möglichkeit mitbringen, effizient, schnell und datensparsam
alle Nutzer (einer bestimmten geographischen Region) mit sogenannten
&lt;em&gt;broadcast&lt;/em&gt; Nachrichten zu informieren.  Diese Technik, in GSM/2G
genannt &lt;em&gt;Cell Broacast&lt;/em&gt; (oder auch _SMSCB_), unterscheidet sich
Grundlegend von allen anderen Kommunikationsformen im Mobilfunknetz, wie
Anrufe und herkömmliche SMS (offiziell SMS-PP).  Anrufe, SMS und auch mobile Paketdaten (Internet) werden
immer für jeden Teilnehmer individuell auf ihm zugewiesenen Funkressourcen übermittelt.  Diese Ressourcen
sind beschränkt.  Es können in keinem Mobilfunknetz der Welt alle Teilnehmer gleichzeitig telefonieren, oder
gleichzeitig SMS empfangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stattdessen benutzt Cell Broadcast - wie der Name bereits
unmissverständlich klar macht - Einen &lt;em&gt;broadcast&lt;/em&gt;, d.h.
&lt;em&gt;Rundsendemechanismus&lt;/em&gt;.  Eine Nachricht wird einmal gesendet, benötigt
also nur eine geteilte Ressource auf der Luftschnittstelle, und wird
dann von allen Geräten im Empfangsbereich zeitgleich empfangen und
dekodiert.  Das ist wie UKW-Radio oder klassisches terrestrisches
Fernsehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Cell Broadcast wurde bereits in den 1990er Jahren von Deutschen
Netzbetreibern benutzt.  Und zwar nicht für etwas lebensnotwendiges wie
die Notfallsignalisierung, sondern für so banale Dinge wie die Liste
jener Vorwahlen, zu denen gerade ein vergünstigter "wandernder
Ortstarif" Besteht.   Ja, sowas gab es mal bei Vodafone.  Oder bei O2
wurden über lange Zeit (aus unbekannten Gründen) die GPS-Koordinaten der
jeweiligen Basisstation als Cell Broadcast versendet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der folgenden (nun fast abgeschalteten) Mobilfunkgeneration 3G
wurde Cell Broadcast leicht umbenannt als &lt;em&gt;Service Area Broadcast&lt;/em&gt;
beibehalten.  Schliesslich gibt es ja Länder mit - anders als in
Deutschland - funktionierender und kompetenter Regulierung des
Telekommunikationsmarktes, und die langjährig bestehenden gesetzlichen
Anforderungen solcher Länder zwingen die Netzbetreiber und auch die
Ausrüster der Neztbetreiber, neue Mobilfunkstandards so zu entwickeln,
dass die gesetzlichen Vorgaben bzgl. der Alarmierung der Bevölkerung im
Notfall funktioniert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Rahmen dieser Standardisierung haben eine Reihe von Ländern innerhalb
der 3GPP-Standardisierung (zuständig für 2G, 3G, 4G, 5G) sogenannte
&lt;em&gt;Public Warning Systems&lt;/em&gt; (PWS) standardisiert.  Zu diesen gehören z.B.
das Japanische ETWAS (Earthquake and Tsunami Warning System), das
Koreanische KPAS (Korean Public Alerting System), das US-Amerikanische
WEA (Wireless Emergency Alerts, früher bekannt als CMAS) und auch das &lt;a class="reference external" href="https://de.wikipedia.org/wiki/EU-Alert"&gt;EU-ALERT&lt;/a&gt; mit den nationalen
Implementationen &lt;a class="reference external" href="https://de.wikipedia.org/wiki/NL-Alert"&gt;NL-ALERT (Niederlande)&lt;/a&gt; und &lt;a class="reference external" href="https://www.gov.uk/alerts"&gt;UK-ALERT (Großbritannien)&lt;/a&gt;
sowie &lt;a class="reference external" href="https://ro-alert.ro/en/about-ro-alert/"&gt;RO-ALERT (Rumänien)&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zahlreichen Studien und Untersuchungen, die zur Gestaltung obiger
Systeme und der internationalen Standards im Mobilfunk geführt haben,
weisen auch nochmal nach, was sowieso vorher jedem Techniker
offensichtlich erscheint: Eine schelle Alarmierung aller Teilnehmer
(einer Region) kann nur über einen Broadcast-Mechanismus erfolgen.  In
Japan war die Zielvorgabe, die Alarmierung in Erdbebenfällen innerhalb
von weniger als 4 Sekunden an die gesamte betroffene Bevölkerung zu
übertragen.  Und das ist mit PWS möglich!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die relevanten PWS-Standards in 2G/3G/4G/5G bieten jede Menge nützliche Funktionen:&lt;/p&gt;
&lt;ul class="simple"&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;Benachrichtigung in bestimmten geographischen Regionen&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;Interoperable Schnittstellen, so dass Netzwerkelemente unterschiedlicher Hersteller miteinander
kommunizieren&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;Konfigurierbare Benachrichtigungstexte, nicht nur in der primären Landessprache, sondern auch in mehreren
anderen Sprachen, die dann automatisch je nach Spracheinstellung des Telefons wiedergegeben werden&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;Unterschiedliche Schweregrade von Alarmierungen&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;Übermittlung nicht nur im Broadcast, sondern auch im Unicast an jeden Teilnehmer, der gerade in einem
Telefongespräch ist, und dessen Telefon gerade währenddessen aus technischen Gründen den Broadcast nicht
empfangen würde&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;Unterschied zwischen Wiederholung einer Übertragung ohne Änderung des Inhalts und einer übertragung mit
geändertem Inhalt&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Es gibt also seit vielen Jahren internationale Standards, wie sämtliche heute eingesetzten Mobilfunktechniken
zur schnellen, effizienten und datensparsamen Alarmierung der Bevölkerung eingesetzt werden können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt zahlreiche Länder, die diese Systeme seit langem einsetzen.  Das US-Amerikanische WEA wurde nach
eigenen Angaben seit 2012 bereits mehr als 61.000 Mal benutzt, um Menschen vor Unwetter oder anderen
Katastrophen zu warnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sogar innerhalb der EU hat man das EU-ALERT System spezifiziert, welches weitgehend mit dem amerikanischen WEA
identisch ist, und auf die gleichen Techniken aufbaut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann gibt es Länder wie Deutschland, die es seit genauso vielen Jahren vermissen lassen, durch Gesetze
oder Vorschriften&lt;/p&gt;
&lt;ol class="arabic simple"&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;die Netzbetreiber zum Betrieb dieser Broadcast-Technologien in ihrem Netz verpflichtet&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;die Netzbetreiber zur Bereitstellung von standardisierten Schnittstellen gegenüber den Behörden wie Zivilschutz / Katastrophenschutz zu verpflichten, so das diese selbständig über alle Netzbetreiber Warnungen versenden können&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;p&gt;die Gerätehersteller z.B. über Vorschriften des FTEG (Gesetz über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen) zu Verpflichten, die PWS-Nachrichten anzuzeigen&lt;/p&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;p&gt;In den USA, dem vermeintlich viel mehr dem Freien Markt und dem
Kapitalismus anhängenden System ist all dies der Regulierungsbehörde FCC
möglich.  In Deutschland mit seiner sozialen Marktwirtschaft ist es
anscheinend unmöglich, den Markt entsprechend zu regulieren.  Eine
solche Regulierung schafft man in Deutschland nur für wirklich wichtige
Themen wie zur Durchsetzung der Bereitstellung von Schnittstellen für
die Telekommunikationsüberwachung.  Bei so irrelevanten Themen wie dem
Katastrophenschutz und der Alarmierung der Bevölkerung braucht man den
Markt nicht zu regulieren.  Wenn die Netzbetreiber kein PWS anbieten
wollen, dann ist das einfach so Gottgegeben, und man kann da ja nichts
machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Falls jemand sich SMSCB und PWS technisch näher ansehen will: In 2019
haben wir im Osmocom-Projekt eine Open Source Implementation des
kompletten Systems von BTS über BSC bis zum CBC, sowie der dazwischen
befindlichen Protokolle wie CBSP vorgenommen.  Dies wurde
freundlicherweise durch den Prototype Fund mit EUR 35k finanziert. Ja,
so günstig kann man die nötige Technik zumindest für eine einzelne
Mobilfunkgeneration entwickeln...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man kann also in einem selbst betriebenen Labor-Mobilfunknetz,
welches auf Open Source Software basiert mehr in Punkt standardkonformer
Notfallalarmierung, als die Deutsche Politik, Verwaltung und
Netzbetreiber zusammen hinbekommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben in Deutschland Leute, die diese Standards in und auswendig
kennen, sogar daran mitgearbeitet haben.  Wir haben Entwickler, die
diese Standards implementiert haben.  Aber wir schaffen es nicht, das
auch mal selbst praktisch zu benutzen - das überlassen wir lieber den
anderen Ländern.  Wir lassen lieber zuerst die ganze
Katastrophenalarmierung mittels Sirenen vergammeln, machen den
Netzbetreibern keine Vorgaben, entwicklen komische Apps, die Anwender
extra installieren müssen, die prinzipbedingt nicht skalieren und beim
Test (WarnTag) nicht funktionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was für eine Glanzleistung für den hochentwickelten Techhologie-Standort Deutschland.&lt;/p&gt;</description><category>cellular</category><category>german</category><category>gsm</category><category>osmocom</category><guid>https://laforge.gnumonks.org/blog/20210719-smscb/</guid><pubDate>Sun, 18 Jul 2021 16:00:00 GMT</pubDate></item></channel></rss>